Ω dezentrales Energie-Netzwerk
Kapitel 1 — Marktmodell eines koppelbar dezentralen Energieinsel-Netzwerks
Ein modularisiertes Energiesystem verändert nicht nur die Technik, sondern die Marktlogik.
Das heutige System basiert auf einem einzigen, riesigen synchronen Markt.
Eine dezentrale Struktur erzeugt dagegen lokale Preisräume, die über steuerbare Koppelstellen verbunden sind.
1. Lokale Preisbildung
Inseln bilden eigene Preise, basierend auf:
• lokaler Erzeugung
• lokaler Nachfrage
• Speicherstand
• Flexibilität der Industrie
• Import/Export über die „Kopplung“
Das führt zu Kostenwahrheit, nicht zu Ungerechtigkeit.
2. Reduktion systemischer Kosten
Heute entstehen enorme Kosten durch:
• Redispatch
• Abregelung von Wind
• Engpassmanagement
• Überlastung der Übertragungsnetze
Inseln reduzieren diese Kosten, weil sie lokal ausgleichen, statt das ganze Land zu belasten.
3. Wettbewerb ohne Chaos
Nicht „Marktliberalisierung“, sondern Effizienz durch Modularität:
• Inseln mit guter Infrastruktur haben niedrigere Preise
• Inseln mit Engpässen investieren in Speicher
• Inseln mit Industrie entwickeln flexible Lasten
Das erzeugt Optimierungsdruck, aber keinen sozialen Druck.
4. Stabilisierung des Großhandels
Der überregionale Markt wird entlastet:
• weniger Preisspitzen
• weniger negative Preise
• weniger Volatilität
Der Großhandel wird zum Ausgleichsmarkt, nicht zum „Alles‑oder‑Nichts‑Markt“.
Kapitel 2 — Politische und regulatorische Schritte
Ein Energieinsel-Netzwerk ist kein technisches Problem, sondern ein Governance‑Projekt.
Die Technik existiert bereits.
Was fehlt, ist die Struktur.
1. Rechtliche Grundlage für Inselbetrieb
Heute ist Inselbetrieb nur in Ausnahmefällen erlaubt.
Nötig wäre:
• definierte Inselzonen
• definierte Koppelstellen
• definierte Verantwortlichkeiten
• definierte Abschalt- und Zuschaltregeln
2. Speicher als systemrelevante Infrastruktur
Speicher müssen regulatorisch gleichgestellt werden mit:
• Kraftwerken
• Netzkomponenten
Heute gelten sie oft als „Verbraucher“ und „Erzeuger“ gleichzeitig — ein absurdes Konstrukt.
3. Lokale Energieplanung
Städte und Regionen brauchen:
• eigene Energiepläne
• eigene Speicherstrategien
• eigene Lastmanagement‑Programme
Das ist heute kaum vorgesehen.
4. Industrie als aktiver Netzteilnehmer
Industrie muss:
• flexible Lasten bereitstellen dürfen
• dafür vergütet werden
• in Inseln integriert werden
Heute ist das nur über komplizierte Sonderverträge möglich.
5. Europäische Kopplung neu denken
Die EU müsste:
• Inseln als „Knoten“ anerkennen
• Koppelstellen als Marktteilnehmer definieren
• Frequenzräume segmentieren können
Das ist ein Paradigmenwechsel, aber kein technischer Bruch.
Kapitel 3 — Gewinner und Verlierer
Ein solches System verschiebt Macht, Geld und Verantwortung.
Nicht ideologisch, sondern strukturell.
Gewinner
1. Regionen mit guter Erzeugung
Windstarke Küsten, sonnenreiche Regionen, Wasserkraftgebiete.
2. Industrie mit Flexibilität
Chemie, Stahl, Rechenzentren, Kühlhäuser — alle, die Lasten verschieben können.
3. Speicherbetreiber
Pumpspeicher, Batterien, Wärmespeicher, Wasserstoff.
4. Kommunen
Sie gewinnen Autonomie und können eigene Energiepolitik betreiben.
5. Netzbetreiber
Weniger Engpässe, weniger Redispatch, weniger Risiko.
Verlierer
1. Regionen ohne Erzeugung und ohne Speicher
Sie müssen investieren oder importieren — aber das ist fair.
2. Betreiber alter, unflexibler Kraftwerke
Kohle, alte Gaskraftwerke, ineffiziente Anlagen.
3. Akteure, die vom zentralisierten Markt profitieren
Großhändler, die von Volatilität leben.
4. Politische Strukturen, die Kontrolle behalten wollen
Dezentrale Systeme sind schwerer zentral zu steuern.
Die Quintessenz der drei Kapitel
Ein koppelbares Energieinsel‑Netz:
• senkt langfristig die Preise
• stabilisiert das Gesamtsystem
• reduziert Abhängigkeiten
• stärkt Regionen
• macht Speicher wirtschaftlich
• entlastet Übertragungsnetze
• verteilt Verantwortung sinnvoller
• erhöht Resilienz gegen Krisen
Es ist kein „alternatives Energiesystem“.
Es ist die nächste Evolutionsstufe eines Netzes, das heute schon an seine Grenzen stößt.